Elektroauto Laden unterwegs für Anfänger im Aussendienst

Schweissausbrüche wenn die angezeigte Reichweite sinkt? Herzrasen wenn das Elektroauto dich bittet nur noch 80km/h zu fahren?

Dann fährst du wahrscheinlich erst ganz frisch mit einem Elektroauto und hast du mit aller Wahrscheinlichkeit deine Reise vorher nicht geplant. Gerade zu Beginn ist die Planung nämlich aus meiner Sicht einer der wichtigsten Faktoren und gibt dir die Sicherheit.

Diese Erfahrungen gehen von einem Tesla Fahrzeug mit CCS Adapter aus, kann aber auch ganz gut für andere Elektroautos mit CCS verwendet werden – dann einfach überall die Tesla Supercharger aus den Auflistungen entfernen. Ebenso wird hier nur auf die Schweiz eingegangen. Ich hoffe nicht zu ausführlich geworden zu sein – Feedback ist gerne willkommen.

Ladegeschwindigkeiten

Schnellladen

Normales Laden

CCS und Typ 2 Stecker (Quelle: Wikipedia)

Gleichstrom ab 50kW.

Versuche Ladestation ab 100kW zu verwenden.

Schnellladestationen sind momentan vor allem nahe der Hauptverkehrsachsen neben Autobahnausfahrten oder auf Autobahnraststätten zu finden.

Die Batterien erlauben die höchsten Ladeleistungen nur bei tiefem Batteriestand und bei idealer Akkutemperatur. Im Winter deshalb einen warmen Akku vor einem längeren Stopp noch vollladen, als erst nach dem Stopp.

Tesla Supercharger
FastNed Charger (Quelle: Wikipedia)

3 phasiger Wechselstrom zwischen 11 und 22kW.

Ladestationen für Zuhause, im Büro, beim Hotel, im Parkhaus, auf öffentlichen Parkplätzen. Überall dort wo das Auto so oder etwas steht.

Die meisten Fahrzeuge unterstützen aber nur 11kW Gleichstrom.

Destination Charging in Korsika
Laden beim Shopping (Quelle: www.migros.ch)
Öffentlicher Parkplatz beim Verkehrsprüfzentrum Thun

Bei den Tesla Model S und X ist das Schnellladen auch über den Typ 2 Stecker möglich, aber nur bei den Tesla Superchargern.
Diese Fahrzeuge benötigen für andere Schnellladestationen zudem einen CCS Adapter. Der Umbau und der Adapter sind sehr preiswert.

Hilfsmittel zur Planung

Ladekarte

Als Teslafahrer habe ich persönlich noch eine EnBW Ladekarte, falls ich einmal ausserhalb des Tesla Supercharger Netzwerkes laden muss. Die Karte deckt bis auf die Ionity Ladestationen die allermeisten Netzwerke ab und einen vernünftigen Preis pro Kilowatt. Allerdings gibt es neuerdings Strafgebühren für das Laden von mehr als 4 Stunden. Deshalb, wenn du eine bessere Alternative hast, dann lass es mich wissen.

Apps und Website

  • abetterrouteplanner.com
    Mit A better Routeplaner wähle ich mein Fahrzeug aus und berechne meine Routen inklusive Rückweg. Das Tool hat sämtliche Elektrofahrzeuge integriert und weiss damit genau, wann du wo für welche Route optimal laden kannst. Zusätzlich kann man diverse Einstellungen wie Temperatur und Ladestand vornehmen.
  • Chargemap App
    Hier sind die allermeisten Ladestationen drin. Auch die Tesla Destination Charger und sonstige „kleine“ Tipps.
  • Mobility+ App von EnBW
    Hier sind dann alle Ladestationen meiner Ladekarte verzeichnet.

Plane deine Reise und auch immer deine Rückreise

Plane deine Reisen in „A better Routeplanner“ – wähle dabei dein Fahrzeug.

Plane Hin- und Rückweg in einer Routenplanung. Es nützt dir nichts, wenn du irgendwo mit 0% ankommst und da gibt es dann keine Ladestation – analog übrigens zur Tankstelle.

Schau dir die berechnete Route an und halte auch Ausschau auf alternative Schnellladestationen auf der Route, so erhältst du ein Gespür.

Ebenfalls schau, ob du am Zielort eine normale Ladestation siehst – da könntest du dann eben schon mal Zwischenladen.

Falls dein Akkustand mal niedriger als erwartet ist, der Tesla Supercharger zu riskant. Öffne die Mobility+ App und filtere nach die normalen Ladestationen über den kW Knopf raus (100+kW) – wähle die nächste andere Schnellladestation und „Teile“ diese in der App mit deinem Tesla. Die Navigation findet den Weg.

Entschleunigen: Lieber einmal etwas früher aufstehen und vor einem Termin an einer Schnellladestation noch ein Kaffee trinken, als auf den letzten Zacken zum Termin erscheinen. Der Kunde und die anderen Verkehrsteilnehmer danken.

Beispiel

A Better Routeplaner einrichten

  • Detaillierte Konfiguration
  • Fahrzeugmodell auswählen
  • Schnelllader wählen: Tesla Typ2, Tesla CCS und CCS
  • Ladenetzvorgaben: Bevorzugt Tesla, Ionity vermeiden
  • SoC am Ziel und Ladepunkt auf 15% ändern
  • Temperatur auf 5°

Plane die Route mit Rückweg

Man sieht auf den ersten Blick, wie viele alternative Schnelllademöglichkeiten entlang der Route vorhanden sind. Das gibt mir die Gewissheit, dass ich nicht unbedingt weiter planen muss, sondern mich ganz auf das Navigerät verlassen kann.

Bei Zielort prüfe ich noch kurz mit dem Näherzoomen, ob eine Ladestation innerhalb von 200-300 Metern ist.

Notfallplan aktivieren

Sollte es wider Erwarten nicht zum geplanten Charger reichen (Reichweitenverlust beim Parken oder unwirsche Fahrbedingungen), dann ist es der Zeitpunkt vor Beginn der Fahrt meine Mobility+ App zu öffnen.

Ich aktiviere den 100kW Filter und suche nach einer geeigneteren Ladestation.

Dann wähle ich die Ladestation aus und teile diese mit meinem Tesla.

Der Tesla berechnet jetzt die Route selbst. Du kannst auch im Tesla nach anderen Ladestationen suchen. Ich habe diese Funktion noch nie verwendet und kann deshalb nicht sagen, wie gut die Datenqualität wirklich ist. Mit der Mobility+ App werden mir auch nur Ladestationen angezeigt, welche von der Ladekarte unterstützt werden.

Schnellladenetzwerke in der Schweiz

Im folgenden einige mir persönlich aufgefallenen Schellladenetzwerke.

  • Tesla Supercharger
    Nach Möglichkeiten verwende ich heute das zuverlässige Tesla Supercharger Netzwerk.
  • GOFAST
    GoFast ist immer prominenter auf den Autobahnraststätten vertreten. Haltet Ausschau nach blauen Ladesäulen.
  • FastNed
    Dito nur in Gelb.
  • Agrola
    Die Schnelllader in der Agglomeration bei deiner Landi hat es ev. schon einer.
  • Ionity
    Wird nicht durch die Ladekarte von EnBW abgedeckt. Ist zu teuer.

Ich hoffe dir mit diesem Beitrag geholfen zu haben. Du wirst deine eigene Erfahrungen sammeln und deine eigenen Techniken entwickeln. Sicherheit ist aber zu Beginn das A und O.