Vielen Dank auch René Gygax (Thuner Tagblatt) für die Kolumne auf der Front Seite des Thuner Tagblatts.

Jetzt kein Eigentor!
Der FC Thun – vor zwei Jahren noch Liebkind der Nation und mit der Champions League in den internationalen Schlagzeilen – macht gegenwärtig denkbar schlechte Werbung für die Stadion-Abstimmung vom 9. Dezember: Das Auf und Ab seiner Leistung in der Meisterschaft, eine seit anderthalb Jahren missratene Transfer-Politik im Angriffsbereich, die reale Abstiegsgefahr… und jetzt noch das.

Doch statt nun das Kind mit dem Bade auszuschütten, muss klar differenziert werden: Auch wenn sich der Verdacht auf die persönlichen Verfehlungen einzelner Spieler erhärtet hat, gilt bis zu einem Urteil die Unschuldsvermutung. Ohne etwas schönreden zu wollen: Die Fälle Zürich-Seebach und Steffisburg haben gezeigt, dass von einer ersten Anschuldigung manchmal weniger als befürchtet übrig bleibt.

Und schon rein gar nichts zu tun haben die Verfehlungen mit dem neuen Stadion, das Thun braucht. Spieler kommen und gehen, das Stadion bleibt. Nicht nur für Fussball und den FC Thun, sondern als Event-Arena für die elft-grösste Stadt der Schweiz.

Es wäre töricht, jetzt dem FC Thun mit dem Stimm- einen Denkzettel zu verpassen. Es wäre, in der Fussballsprache, ein gigantisches Eigentor. Denn eine Abstrafung würde die Falschen treffen: Uns, die Thunerinnen und Thuner.

Vielen Dank auch an den Schreiber des folgenden Leserbriefs Gerhard Schmid:

Damit wir nicht zur Lachnummer werden
Am 9.Dezember sind wir aufgerufen, uns an der Urne zu einer Umzonung eines Terrains in Thun-Süd zu äussern. Bei einem positiven Abstimmungsresultat, sprich Variante Stadtrat ja, Variante Volksvorschlag nein, erhält die Stadt Thun gratis und franko ein neues Fussballstadion für 30 Millionen Franken geschenkt, parallel dazu Perspektiven für zusätzliche Spielfelder für den Breitensport. Sachliche Gründe gegen die Stadtratsvariante kann ich mit bestem Willen nicht feststellen. Hie und da höre ich, dass wir kein weiteres Einkaufszentrum brauchen oder man ist mit der Klubpolitik des FC Thun nicht einverstanden.

Aber es ist doch nicht an uns, zu entscheiden, ob es ein Einkaufszentrum braucht oder nicht. Wenn ein Investor da ist, der investieren will, ist das doch allein sein Entscheid, zudem sind ohnehin im überwiegenden Teil Fachmärkte vorgesehen. Wenn nicht in Thun-Süd, werden diese sicher in einer Nachbargemeinde realisiert. Zur Klubpolitik des FC Thun ist zu sagen: Natürlich wurden in der Vergangenheit offenbar Fehler gemacht. Dies sollte aber kein Grund sein, ein zukunftsgerichtets Projekt abzulehnen.

Ein wichtiges Argument für die vorliegende Umzonung wurde in den bisherigen Diskussionen kaum zur Kenntnis genommen. Bei Annahme der Variante Stadtrat bleibt nämlich ein bedeutender Teil der in Frage stehenden Fläche grün (für die zusätzlichen Spielfelder).

Bei Ablehnung könnte die Burgergemeinde ja später auf die Idee kommen, eine «rentablere» Umzonung anzustreben und das Terrain etappenweise ganz zu überbauen. Dieses Argument sollte auch alle «grün» Denkenden zu einem Ja zur Stadtratsvariante motivieren.

Es geht um ein positives Zeichen, welches wir von unserer Stadt aussenden können, es geht um Aufbruch in die Zukunft.

Ich hoffe ganz fest, dass wir am Abend des 9.Dezember nicht zur Lachnummer der Nation werden, zum Seldwyla der Schweiz, eine Stadt, die ein Geschenk von 30 Millionen Franken ablehnt!

Weiter geht es mit der Stadionabstimmung! Auch die gestrige negative Berichtserstattung über einige Spieler des FC Thun darf keinen Einfluss auf diese Abstimmung haben. Schliesslich geht es bei dieser Abstimmung um Thun und nicht um einige Privatpersonen, welche zufälligerweise für den FC Thun spielen. Hier der Leserbrief von Carlos Reinhard:

Thun Süd 2007 ist eben nicht Thun Süd 2006
Der Leserbriefschreiber (Anm. Stadion Thun-Süd: Das ist eine inakzeptable Geheimniskrämerei) postuliert , dass die Beteiligten für ein neues Fussballstadion nicht offen kommunizieren. Das Gegenteil ist der Fall! Die Stadioninvestorin (HRS), die Landbesitzerin (Burgergemeinde), das Unterstützungskomitee und der FC Thun agieren seit Wochen pro-aktiv. Nicht nur mit Printproduktionen und via elektronische Medien; sondern auch beim Volk – anlässlich von Marktstandaktionen oder Podiumsdiskussionen.

Leider läuft die Abstimmung am 9. Dezember 2007 wiederum unter dem Titel «Thun Süd» – wie schon am 12.Februar 2006. Doch der Urnengang in drei Wochen hat mit der Abstimmung vom letzten Jahr nichts mehr gemeinsam! Im Nachgang zur ersten Vorlage wurde vom Stadt- und Gemeinderat eine telefonische Umfrage durchgeführt, wieso die damalige Variante keine Chance hatte. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden für die bevorstehende Abstimmung allesamt berücksichtigt: keine Steuergelder für den Spitzensport, die öffentliche Hand finanziert die Breitensport-Infrastruktur, das Lachenareal muss öffentlich zugänglich bleiben und wird nicht überbaut. Der Stadtrat hat im Frühjahr 2006 über drei Millionen Franken gesprochen, um neue Rasenspielfelder bzw. Kunstrasenfelder zu erstellen. Diese Investition soll dem Breitensport zugutekommen. Zum Nachwuchs: Der FC Thun kann ohne Spitzensport den Nachwuchsbereich, welcher heute überaus erfreulich dasteht, nicht finanzieren. Für den Spitzensport ist ein neues Stadion absolut notwendig. Ein Vergleich: In der Super League haben von zehn Klubs nur Aarau, Luzern, Sion und Thun kein neues Stadion – ansonsten stehen oder entstehen im ganzen Land neue Arenen. In Aarau und Luzern hilft der Steuerzahler mit Millionenbeträgen mit; Thun bekommt gratis ein Stadion. Einzig bei den Erschliessungskosten wird die Stadt partizipieren.

Krawallaktionen sind überall möglich – ob in einem alten oder neuen Stadion. In einem neuen Stadion hingegen ist der Sicherheitsstandard auf einem anderen Niveau; die Eingangskontrollen und die Dispositive erfahrungsgemäss sehr gut.

An Carlos ein herzliches Dankeschön für den sachlichen und korrekten Leserbrief…

Ebenfalls im heutigen Thuner Tagblatt von Mark van Wijk:

Rote Karte für den «Volksvorschlag»
Das Unterstützungskomitee «Für das Stadion» weiss, was es will. Es informiert pro-aktiv, transparent, offen, ehrlich und klar und liefert sämtliche wichtigen Fakten im Hinblick auf die Abstimmung in einer kleinen Broschüre unter dem Titel «Thun braucht ein neues Stadion». Das Pro-Komitee tritt ehrlich und überzeugend auf und klärt die Öffentlichkeit wahrheitsgetreu auf. Und: Das Komitee konnte GFL-Stadtrat Thomas Hiltpold mit ins Boot nehmen – ein kluger Schachzug. War es doch Herr Hiltpold, der am 12. Februar 2006 noch massiv gegen das damalige Projekt gekämpft hat. Nun hilft er mit, dass in Thun Süd das Stadion zu Stande kommt. Chapeau! Das Komitee hat erkannt, um was es am 9. Dezember geht: Es geht um ein Millionen-Geschenk für Thun! In überzeugender Art und Weise hat das Komitee mit der Stadt, mit der Burgergemeinde, mit den Investorin und dem FC Thun den Dialog gesucht, um Lösungen zu finden. Das Komitee hat alles unternommen, damit am 9. Dezember die Abstimmung gewonnen werden kann – mit einem Ja zur Variante «Stadtrat» und einem Nein zum «Volksvorschlag». Der Stadtrat hat mit 37:1 für die Zonenplanänderung votiert. Die Vorzeichen stehen gut. Und auch die Thuner Stadtregierung steht hinter dem Projekt. Jetzt gilt es, für die Familiengärten – die unabhängig von der Stadionvorlage ihre Gärten räumen müssen – noch Alternative-Standorte oder sonstige Lösungen zu finden. Kurz: Thun soll die Abstimmung als gesamtheitliche Chance betrachten! Auch als Chance für die Peripherie Thun Süd, als Chance für eine positive, städtebauliche Entwicklung! Deshalb: Rote Karte für den «Volksvorschlag»!

Ist das nun ein Zeitungsartikel, eine Kolumne, eine Abstimmungsbotschaft oder wirklich ein Leserbrief? Sogar ich als Stadionbefürworter muss klar sagen, dass dieser Leserbrief nun etwas gar zu fest geschleimt ist!

Herr Ernst Bürki im heutigen Thuner Tagblatt:

Das ist eine inakzeptable Geheimniskrämerei
Noch sind keine zwei Jahre seit der Ablehnung des Stadions verstrichen, und schon werden wir dank der Zwängerei einer fussballbegeisterten Minderheit erneut zur Urne gebeten. Unter dem Vorwand der jetzt kostenlosen Erstellung soll der Souverän dazu gebracht werden, seinen damaligen Entscheid zu revidieren. Die Befürworter verschweigen aber beharrlich alle negativen Konsequenzen. So fehlen konkrete Angaben zu den anfallenden Erschliessungskosten für Zufahrtsstrassen, Energie- und Wasserleitungen.

Auch die zur Förderung des Breitensports nötigen Finanzen werden in bewährter Salamitaktik wohl erst nach der Abstimmung offengelegt. Dasselbe gilt für die Kosten polizeilicher Schutzmassnahmen und die Folgen des Vandalismus. Hat man das Verhalten der Walliser «Fans» schon wieder vergessen?

Stadion und Mantelnutzung umfassen zusammen gut sechzig Prozent des umgezonten Areals. Niemand äussert sich klar, was genau mit dem restlichen Land geschehen wird. Die Interessen für den Fachmarkt sind zwar Eingeweihten bekannt, werden aber erst nach der Abstimmung bekannt gegeben. Eine solche Geheimniskrämerei ist inakzeptabel. Obwohl die Burgergemeinde vor geraumer Zeit aus finanziellen Gründen ihr Zunfthaus «zu Metzgern» verkaufen musste, stimmte sie eigenartigerweise einem spottbilligen Baurechtszins zu. Für ihre sozialen Aufgaben stehen ihr damit auch weniger Mittel zur Verfügung.

Die Schlussfolgerungen aus all diesen Ungereimtheiten und offenen Fragen ist klar: das Stadionprojekt ist mit einem zweimaligen Nein erneut abzulehnen.

Schade, dass das Stadion immer nur als Produkt für die Fussballer hingestellt wird. Diese Leute sind genau die ersten, welche bei einem Schwingerfest im Stadion sein werden (diese Kurzsichtigkeit ist einfach nur peinlich). Zudem hat der Schreiber wohl auch lieber randalierende Jugendliche in der Stadt (aufgrund des fehlenden Breitensportangebots), als randalierende Fans im Niemandsland (Thun Süd)…
In einigen Punkten muss ich dem Schreiber jedoch auch zustimmen. Natürlich sind Erschliessungskosten nicht bekannt und in der Tat ein unbekannter Faktor, dasselbe gilt für die Restnutzung des Areals. Hier gibt es nämlich tatsächlich keinen entsprechenden Vertrag mit der Burgergemeinde, dass auch etwas für den Breitensport kommt, sondern nur eine Möglichkeit.
Doch es überwiegen bisher bei weitem mehr positive Argument, als die möglichen Nachteile. Jede Sache der Welt hat Nachteile, nur diese wahrzunehmen ist ebenso menschlich, wie das Ein- und Ausatmen. Nur wenn wir richtig informiert sind und die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen, können wir zwischen richtig und falsch entscheiden. Und manchmal, da muss man einfach als Stadt und Person einmal ein Risiko eingehen können (auch wenn dieses wie hier in diesem Fall äusserst gering ist).