Herr Ernst Bürki im heutigen Thuner Tagblatt:
Das ist eine inakzeptable Geheimniskrämerei
Noch sind keine zwei Jahre seit der Ablehnung des Stadions verstrichen, und schon werden wir dank der Zwängerei einer fussballbegeisterten Minderheit erneut zur Urne gebeten. Unter dem Vorwand der jetzt kostenlosen Erstellung soll der Souverän dazu gebracht werden, seinen damaligen Entscheid zu revidieren. Die Befürworter verschweigen aber beharrlich alle negativen Konsequenzen. So fehlen konkrete Angaben zu den anfallenden Erschliessungskosten für Zufahrtsstrassen, Energie- und Wasserleitungen.Auch die zur Förderung des Breitensports nötigen Finanzen werden in bewährter Salamitaktik wohl erst nach der Abstimmung offengelegt. Dasselbe gilt für die Kosten polizeilicher Schutzmassnahmen und die Folgen des Vandalismus. Hat man das Verhalten der Walliser «Fans» schon wieder vergessen?
Stadion und Mantelnutzung umfassen zusammen gut sechzig Prozent des umgezonten Areals. Niemand äussert sich klar, was genau mit dem restlichen Land geschehen wird. Die Interessen für den Fachmarkt sind zwar Eingeweihten bekannt, werden aber erst nach der Abstimmung bekannt gegeben. Eine solche Geheimniskrämerei ist inakzeptabel. Obwohl die Burgergemeinde vor geraumer Zeit aus finanziellen Gründen ihr Zunfthaus «zu Metzgern» verkaufen musste, stimmte sie eigenartigerweise einem spottbilligen Baurechtszins zu. Für ihre sozialen Aufgaben stehen ihr damit auch weniger Mittel zur Verfügung.
Die Schlussfolgerungen aus all diesen Ungereimtheiten und offenen Fragen ist klar: das Stadionprojekt ist mit einem zweimaligen Nein erneut abzulehnen.
Schade, dass das Stadion immer nur als Produkt für die Fussballer hingestellt wird. Diese Leute sind genau die ersten, welche bei einem Schwingerfest im Stadion sein werden (diese Kurzsichtigkeit ist einfach nur peinlich). Zudem hat der Schreiber wohl auch lieber randalierende Jugendliche in der Stadt (aufgrund des fehlenden Breitensportangebots), als randalierende Fans im Niemandsland (Thun Süd)…
In einigen Punkten muss ich dem Schreiber jedoch auch zustimmen. Natürlich sind Erschliessungskosten nicht bekannt und in der Tat ein unbekannter Faktor, dasselbe gilt für die Restnutzung des Areals. Hier gibt es nämlich tatsächlich keinen entsprechenden Vertrag mit der Burgergemeinde, dass auch etwas für den Breitensport kommt, sondern nur eine Möglichkeit.
Doch es überwiegen bisher bei weitem mehr positive Argument, als die möglichen Nachteile. Jede Sache der Welt hat Nachteile, nur diese wahrzunehmen ist ebenso menschlich, wie das Ein- und Ausatmen. Nur wenn wir richtig informiert sind und die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen, können wir zwischen richtig und falsch entscheiden. Und manchmal, da muss man einfach als Stadt und Person einmal ein Risiko eingehen können (auch wenn dieses wie hier in diesem Fall äusserst gering ist).